2. EBC 2012 in Berlin - Norwegen auf Platz 1

Die grossen Fragen der Menschheit: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Sie bewegen auch Bluesliebhaber. Über die Antworten herrscht Uneinigkeit. Jeder hat da seine eigene Definition, was guter Blues ist, oder Blues überhaupt und wer ihn am besten spielt. Wo er herkommt, da stimmt man noch weitgehend überein. Wo er hingehen soll, ist schon weniger klar. Für die einen verändert er sich zu viel, für andere zu wenig. Einigkeit herrscht bei vielen in einem Punkt: richtiger Blues kommt aus den USA. Manche befürchten sowieso seit Ewigkeiten sein Ende.

In Berlin präsentierte sich der Europäische Blues quicklebendig. Bands aus 19 Ländern spielten am 16./17. März anlässlich der zweiten European Blues Challenge (EBC) im Kesselhaus der Kulturbrauerei. Es waren die Gruppen, die zuvor in nationalen Vorausscheidungen nominiert worden waren. Sie demonstrierten eindrücklich, wie gross und vielseitig die Szene in Europa ist. Das Niveau war überwiegend erfreulich hoch.

Wir erinnern uns: Die Europäische Bluesunion (EBU) wurde mit der Absicht gegründet, den europäischen Blues und den Austausch mit der übrigen Blueswelt zu fördern. Das kommt etwas schwankend in Gang, aber die Organisation ist noch jung und so etwas braucht Zeit. Immerhin, die EBC gibt Bands Gelegenheit, sich vor Publikum zu präsentieren. Bands, von denen man vielleicht kaum je etwas gehört hätte, die es aber verdienen beachtet zu werden. Die Mitglieder der EBU, grösstenteils Professionelle, nehmen es auf alle Fälle zur Kenntnis und tragen die Botschaft in ihre Länder. Und genau das ist ja der Zweck des Ganzen.

Leider war der Wettbewerb selbst nicht üppig besucht, vor allem, wenn man in Rechnung stellt, dass Berlin doch dreieinhalb Millionen Einwohner hat. Gewiss, das hat auch etwas mit dem enormen Angebot der Stadt zu tun. In erster Linie dürfte aber die Absenz «grosser» Namen Leute zwar nicht abschrecken, aber auch keine anlocken. Doch auch die International Blues Challenge hatte ganz bescheidene Anfänge (siehe Steven Campbells Artikel)

Immerhin, die EBC findet Beachtung vor allem unter Fachleuten und ist bereits eine Möglichkeit der Talentsuche geworden. Die Saxophonisten Jimmy Zavala und Jimmy Carpenter zum Beispiel waren extra aus den USA für die Veranstaltung gekommen. Beide sind auch Produzenten, Jimmy Carpenter ist zudem als Agent für Blue Mountains Artists unterwegs, die ein pralles Portefeuille voller grosser Namen betreuen, unter anderem Bob Margolin, Rod Piazza, Otis Taylor und Philipp Fankhauser. Alles in allem eine überzeugende Gelegenheit nicht nur für Fachleute, einen umfassenden Eindruck der europäischen Bluesszene zu erhalten.

Eine Übersicht der teilnehmenden Bands haben wir im Vorfeld der EBC hier bereits publiziert. Neu dabei waren Slowakien, Bulgarien und Georgien. Der Wettbewerb lief ab wie am Schnürchen. Jeweils zwanzig Minuten Zeit hatte jede Band, um die Jury zu überzeugen, dann gab es zehn Minuten Umbaupause. Die Aufgabe der Fachjury war keine leichte. Die meisten Interpreten zeigten bei ihrem Auftritt hauptsächlich modernen Blues, aber auch Vertreter des traditionellen, akustischen Blues kamen auf ihre Rechnung. Alle Bands spielten technisch auf hohem Niveau. Wenige Minuten nach Ende des zenjstündigen Marathons gaben die Veranstalter die Wahl der Jury bekannt:

Platz eins gewann Rita Engedalen & Backbone aus Norwegen. Den zweiten Platz konnte Norbert Schneider aus Österreich ergattern und auf dem Ehrenplatz landete der Brite Ben Poole.

Fazit: Wir brauchen uns um den Blues und besonders seinen europäischen Ablegern keine Sorgen machen. Das Potenzial ist da und mit der EBU auch eine Organisation, welche die Interessen des Blues, der Europäischen Musiker und auch des Publikums vertritt.